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Feiert den Johannistag!

Die norddeutschen Bundesländer wollen einen zusätzlichen Feiertag einführen.
Mein Vorschlag dafür: Wir sollten uns ökumenisch darum bemühen, den Johannistag (24. Juni) zum Feiertag zu machen.
Folgende Gründe sprechen dafür – gerade auch im Vergleich mit dem bisher meistens vorgeschlagenen Reformationstag:
1. Theologisch ist Johannes der Täufer wichtiger als Martin Luther und die Reformator/inn/en; denn er ist eine biblische Gestalt als Vorläufer und Wegbereiter Jesu Christi. Vermutlich würde auch Martin Luther dieser Behauptung zustimmen. Und wenn es mit Luthers These 1 darum geht, deutlich zu machen, dass unser ganzes Leben eine Buße sein soll, dann hat Martin Luther damit ja nur erneut wiedergegeben, was Johannes gepredigt hat. Das heißt: Die reformatorische Botschaft ist im Johannistag mitenthalten.
2. Ökumenisch / Interreligiös: Der Johannistag ist nicht rein evangelisch, sondern für alle christlichen Konfessionen gleich. Zusätzlich ist er, obwohl aus christlicher Tradition stammend, auch für Muslime “anschlussfähig”: Johannes der Täufer wird auch von Muslimen als bedeutende Persönlichkeit der Glaubensgeschichte anerkannt. Auch dem Dialog mit dem Judentum kann eine Besinnung auf Johannes förderlich sein.
3. Tradition: Der Johannistag ist im Brauchtum bis heute stark verankert, z.T. sogar wieder stärker ins Bewusstsein getreten. Er gilt als Abschlusstag der Spargel- und Rhabarber-Saison, Pflanzennamen wie Johannistreu und Johanniskraut erinnern an seine Bedeutung und vor allem der Brauch des Johannisfeuers (“Mittsommer”) ist eine Tradition, die auch in Deutschland schon immer präsent war, im Zuge des Zusammenwachsens Europas aber in der jüngeren Vergangenheit vor allem in Norddeutschland immer häufiger aufgegriffen wird, da sie im benachbarten Skandinavien weit verbreitet ist (“St.Hans-Dag”)
4. “Gleichmäßige Verteilung” / Platz im Jahreskreis – Der Termin im Juni sorgt eher für eine gleichmäßge Verteilung von Feiertagen übers Jahr als der Reformationstag (im Oktober wird auch der Tag der dt. Einheit begangen) und ist als sommerlicher Feiertag jahreszeitlich attraktiver – Das bietet eine größere Vielfalt an Chancen für kirchliche Veranstaltungen (Freiluftgottesdienste, Tauffeste, Gemeindefeste, Regionalgottesdienste mit Radtouren und Wanderungen, Pilgeraktionen …). Vermutlich fördert der sommerliche Termin im Jahreskreis aber auch die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz dieses Tages – auch wer nicht an kirchlichen Feiern dieses Tages teilnehmen will, wird den Christen für einen freien Tag im Sommer besonders dankbar sein …
Kurz: Der Johannistag ist in Theologie und Tradition gut begründet, in besonderer Weise ökumenisch verantwortbar, er ist interreligiös und gesamtgesellschaftlich anschlussfähig und jahreszeitlich attraktiv.

Kleine Anmerkung: Ja, das Thema hier hat mit Gospel nicht viel zu tun – ich habe damit auch eine neue Kategorie auf diesem Blog eingeführt “Kirche und Gesellschaft”. Schon immer habe ich hier aber auch als “Liturgiker” gebloggt. Und mit dem Kirchenjahr hat das Thema ja in jedem Fall zu tun …

Segnen heißt: Die Hand auf etwas legen

Segnen heißt: Die Hand auf etwas legen

“Segnen heißt: Die Hand auf etwas legen und sagen: Du gehörst trotz allem Gott. …
Nur aus dem Unmöglichen kann die Welt erneuert werden, dieses Unmögliche ist der Segen Gottes.”
Diese Worte von Dietrich Bonhoeffer sind nur einer von sehr vielen schönen Texten zum Thema Segen, die sich in einem neuen Buch finden, das ich hier gerne empfehle: Jochen Arnold – Ralph Kunz – Christine Tergau-Harms “Behütet auf dem Weg – Sendung und Segen zum Kirchenjahr” Luth. Verlagshaus Hannover 2014 (Reihe Gottesdienst gestalten Band 23).
Enthalten sind auch eine ganze Reihe Lieder zum Segen, darunter für Gospelfreunde besonders interessant: “Wherever you are” von Martin Carbow (S. 119) und eine bisher etwas weniger bekannte Fassung des irischen Segens “May the road rise to meet you” (S. 302). Von den enthaltenen deutschsprachigen Liedern sind für Gospelgottesdienste m.E. besonders gut geeignet: “Gott, deine Werke sind groß” von Fritz Baltruweit (S. 310) und natürlich der afrikanische Segen “Der Herr erfülle deine Füße mit Tanz” (S. 174), der zu den beliebtesten Liedern aus “GOSPELIMPULS” gehört und so seinen Weg auch in diese Veröffentlichung gefunden hat.
Das Buch ist natürlich nicht speziell für Gospelgottesdienste geschrieben. Gerade weil der Segen in verschiedenen Formen – zB auch als persönliche Segnung in einer “Offenen Phase” in vielen Gospelgottesdiensten besonderes Gewicht hat, kann ich es allen, die Gospelgottesdienste feiern und vorbereiten , sehr empfehlen. Ausführlich werden Segensgesten und Segensformen vorgestellt und es gibt zu jedem Sonntag im Kirchenjahr eigene Textimpulse für Sendung und Segen.

Aus einer GOSPELIMPULS-Rezension von Eva von der Heyde

Eva von der Heyde ist Leiterin des Gospelchores der Leipziger Thomaskirche „Open Up Wide“ (also Gospel-Kantorin an der Kirche, an der auch Johann Sebastian Bach gewirkt hat …) und Mitglied des EKD-weiten Arbeitskreises „Gospel in der Kirche“. Näheres über ihren Chor findet man unter http://www.gospel-leipzig.de. Intensiv hat sie sich in einer Buchbesprechung mit dem Buch “GOSPELIMPULS” auseinandergesetzt. Hier wird die Rezension in Auszügen wiedergegeben. Sie erschien zuerst in “Für den Gottesdienst”, einer Arbeitshilfe aus dem Michaeliskloster, dem EKD-Zentrum für Gottesdienst und Kirchenmusik.

“GospelImpuls” … bietet Gemeindechören die Möglichkeit, sich mit Gospelsingen zu beschäftigen. Mit seinen vielen Beispielen lädt es ein, mit dem eigenen Chor in der eigenen Gemeinde Gospelgottesdienst zu feiern. Jedes Beispiel wird mit einer Vorbemerkung zu der gottesdienstlichen Situation eingeleitet. Der Autor schafft eine Atmosphäre der Offenheit, sich mit den Inhalten von Gottesdienst, Liturgie und Kirchenjahr in aller Freiheit auseinanderzusetzen und einen ganz eigenen Weg zu suchen und zu finden.
Wolfgang Richter stellt sich der Herausforderung, eine gute Verbindung zwischen den liturgischen Elementen eines Gospelgottesdienstes herzustellen. Gesungenes und gesprochenes Wort bilden eine Einheit. Der Autor lässt Worte im musikalischen Kontext nicht wie Fremdkörper erscheinen. Gleichzeitig werden die Gospelsongs so gut in den liturgischen Ablauf eingebettet, dass der ungeübte Hörer die Bedeutung der Lieder inhaltlich und emotional nachvollziehen kann. Die Leserinnen und Leser bekommen zahlreiche Anregungen zu einer gelingenden Verbindung von Musik, Musikern, Predigt und Gemeinde. Vor allem lädt Wolfgang Richter ein, mit allen liturgischen Elementen kreativ umzugehen, sie zu entfalten und für ungeübte Gottesdienstteilnehmerinnen und -teilnehmer nachvollziehbar erlebbar zu machen.
Es wird deutlich: Gospelgottesdienste zielen auf starke Beteiligung aller am gottesdienstlichen Geschehen Mitwirkenden. Dazu gehört neben den offensichtlich Agierenden auch die Gemeinde. Dies geschieht meistens durch Mitsingen und Mitklatschen. Außerdem greift Richter auf Elemente inzwischen etablierter Andachts- und Gottesdienstformen wie die der Thomasmesse und der Taizé-Andacht zurück. … So wird das gottesdienstliche Erleben auf alle Sinne ausgeweitet. … Gleichzeitig ergibt sich eine hohe emotionale und sinnliche Erlebniswelt.
… Wünschenswert wäre es, dass alle Songs mit Akkordsymbolen versehen wären. Das würde manchem ungeübten Gospelinterpreten die Handhabe erleichtern.
Interessant ist das Kapitel über „Flow-Killer“. Flow, der Spannungsbogen, der sich natürlich durch den Gottesdienst zieht. Er entsteht aus dem Ineinandergreifen aller gottesdienstlichen Elemente. …
GospelImpuls … schreit nach einer Fortsetzung …

Eva von der Heyde

Eigene Anmerkung: Die ersehnte Fortsetzung ist erst mal dieses Blog. Meine eigene Selbstvorstellung des Buches gibt es hier: https://gospelimpuls.wordpress.com/das-buch/