Monthly Archives: June 2015

Gospel auf dem Kirchentag – ein paar unvollständige Eindrücke

“Gospel ist ja schwächer vertreten im Programm als die letzten Male” meinte ein kirchentagserfahrner Musiker-Kollege, den ich auf der Hinfahrt zum Kirchentag in der Raststättenschlange zufällig traf. Ob er mit diesem Vergleich recht hat, kann ich nicht beurteilen: Ich habe von den vergangenen Kirchentagen nur einzelne Tage miterlebt und war zum ersten Mal als Mitwirkender beteiligt – gemeinsam mit meinem Gospelchor. Aber absolut gesehen, war Gospel nicht “schwach vertreten”, auch wenn die “Creative Kirche” (manche nennen sie den “FC Bayern” der Gospelszene) dieses Mal nur auf dem Markt der Möglichkeiten präsent war. Trotzdem war die “Bundesliga” der Gospelmusik ebenso vertreten wie der popularmusikalische “Breitensport”.
Haupt-Anlaufpunkt für Gospelfreunde war das Gospelzentrum in der Lutherkirche Fellbach, direkt an der gleichnamigen U-Bahn-Station der U 1 gelegen. Es war gut besucht und bot ein tolles Programm. Christiane und Hauke Hartmann starteten mit ihrer Gospel Familiy mit einem phantasievollen Eröffnungsgottesdienst, in dem nicht nur die Musik, sondern auch die Kreativbeiträge (Theaterstück aus dem Altersheim) und die Wortverkündigung einfach gestimmt haben. (Von Salomo habe ich hier mehr verstanden als im Abschlussgottesdienst, bei dem der gleiche Predigttext zugrunde lag). Deutliche Gospelpräsenz zeigte natürlich auch der Lokalmatador “Gospel im Osten” (als Chrismon-Preisträger so etwas wie der DFB-Pokalsieger um im Fuballbild zu bleiben). Und schließlich erreichte “Just Gospel” die Massen als umjubelte Mitwirkende beim heimlichen Höhepunkt des Kirchentages- dem “Wise Guys”-Konzert.
Außerdem gab es Auftritte von Gospelchören open air, bei Bibelarbeiten und bei Feierabendmahlen. Für mich persönlich waren dabei die Höhepunkte das Feierabendmahl in Filderstadt, bei dem der Gronauer Gospelchor ~JOY~, “GCBB” (Gospelchor Betheln-Barfelde) und der Pop- und Gospelchor Bernhausen gemeinsam eine international zusammengesetzte Gemeinde in der überfüllten Petruskirche begeisterten, bei den meisten Stücken unter der motivierenden Leitung von Carolin Stäbler (Vorstandsmitglied bei “musikplus”, den Gospelprofis der Württembergischen Landeskirche). Fast genauso beeindruckend war es, als wir am nächsten Morgen mit unserer eigentlich recht kleinen Chorgruppe aus JOY und GCBB bei der Bibelarbeit mit Nadia Bolz-Weber aus Denver das ganze Gloria-Kino zum Mitsingen bewegen konnten.
Was hätte besser sein können?
– Das allgemeine “Zentrum Kirchenmusik” lag leider am letzten Ende des Veanstaltunsgeländes auf den Neckarwiesen; auch dass Gospelzentruem, Lobpreiszentrum und Kirchenmusikzentrum an ganz verschiedenen Orten zuhause waren, war schade. Räumliche Nähe hätte mehr Austausch ermöglicht und der Tatsache Rechnung getragen, dass die Grenzen immer fließender werden (was nebenbei auch daran zu spüren war, dass die allerorst in der Stadt zu hörenden Posaunenchöre auch oft Gospelmusik im Repertoire hatten)
– Im Gospelzentrum hätte gut auch noch ein Workshop zum Thema “Gospelgottesdienste” Platz gehabt
– Auch wenn das Programmheft dann noch dicker geworden wäre: Bei vielen Veranstaltungen wurden die musizierenden Gruppen, also auch die Gospelchöre, gar nicht als Mitwirkende im Programmheft erwähnt. sondern nur der jeweilige Referent oder Bibelarbeiter; das war schade. Und wenn man es im gedruckten Programm nicht berücksichtigen kann oder will – zumindest in der Online-Version bzw. in der Kirchentags-App wäre das doch problemlos unterzubringen …IMG_1425

(Foto: Eröffnungsgottesdienst des Gospelzentrums in der Lutherkirche)

siehe auch: http://www.gospelradio.de/public/index.php?id=349